Günstig, schnell und sicher?
Digitale Datenräume werden immer häufiger eingesetzt - auch im Private Equity-Geschäft
Am 3. Juni unterzeichnete CVC Capital Partners einen Kaufvertrag zur Übernahme von 25,01% der Evonik Industries AG für 2,4 Mrd. Euro. Vor der Transaktion prüfte der Finanzinvestor den Mischkonzern auf Herz und Nieren. Ein wesentlicher Teil der Due Diligence fand dabei außerhalb des Firmengeländes von Evonik statt: Dank eines virtuellen Datenraumes mussten die von Merrill Lynch und Rothschild beratenen Investmentmanager des angelsächsischen Buyout- Hauses ihre Büros nicht einmal verlassen, um die Bücher der früheren RAG Beteiligungs-AG zu prüfen.
Vorteile liegen auf der Hand
Um im Zuge einer M&A-Transaktion einen lebendigen Bieterwettbewerb zu provozieren, sollten verschiedene Kaufinteressenten möglichst lange nicht voneinander wissen. In einem konventionellen Datenraum gehen die Prozessteilnehmer daher nacheinander zu Werke. Digitalisierte Dokumente können hingegen von mehreren potenziellen Bietern parallel durchforstet werden, wodurch der Prozess beschleunigt wird. Ein weiteres Argument, das für die digitale Bereitstellung der Dokumente spricht, verrät Alexandre Grellier, Geschäftsführer der in Frankfurt am Main ansässigen Data Room Services GmbH & Co. KG: "Ein Verkäufer kann genau nachverfolgen, welche Dokumente von Kaufinteressenten geöffnet werden, und gewinnt damit einen Eindruck, welche Prozesse oder Kennziffern aus Sicht eines Käufers entscheidend sind."
Auf der Strecke bleibt hingegen der regelmäßige persönliche Kontakt zu den Bietern, den Besuche im physischen Datenraum mit sich bringen. Weitere Nachteile sieht Grellier, dessen Unternehmen von Evonik den Zuschlag für die Realisierung des virtuellen Datenraums bekam, so gut wie keine. Allenfalls vielleicht, dass mal der Strom ausfällt oder dass Rechte falsch gesetzt werden. Dann könnten Personen auf Informationen zugreifen, die nicht für sie bestimmt sind. Ein solches Risiko existiert jedoch immer, wenn vertrauliche Daten digital verarbeitet werden. Dass die eigenen Mitarbeiter aus ihnen anvertrauten Informationen Kapital schlagen, schließt Grellier aus: "Unsere Mitarbeiter durchlaufen regelmäßige Compliance- Schulungen und Kontrollen."
DVD als Anhang zum Kaufvertrag
Bei großen Gesellschaften beträgt die Vorlaufzeit für das Aufsetzen eines virtuellen Datenraums ca. sechs Wochen. In dieser Zeit werden Dokumente gescannt - im Fall von Evonik eine vierstellige Zahl von Ordnern - und Qualitätskontrollen durchgeführt. "Bei der Evonik-Transaktion waren 15 Mitarbeiter mit der Digitalisierung beschäftigt. Hinzu kamen drei Projektmanager für die Koordination der Abläufe", unterstreicht Grellier. Nach Abschluss eines Datenraums werden die Dokumente auf einer DVD mit einer Identitätserklärung archiviert und später dem notariellen Kaufvertrag angehängt. Die platzsparende digitale Archivierung ist aber nur einer der Gründe, warum ein virtueller Datenraum Kosten spart. Neben den Reisekosten der Bieter entfallen auf Verkäuferseite neben den Raumkosten auch das Catering und die im physischen Datenraum obligatorische Aufsichtsperson. Ein virtueller Datenraum lässt sich bereits für wenige tausend Euro realisieren, Grellier nennt für eine typische M&A-Transaktion mit ca. 40 Ordnern eine Größenordnung von 10.000 Euro.
Ausblick
In den USA werden bereits heute bei mehr als der Hälfte' aller Due Diligence-Prozesse digitale Datenräume eingesetzt. Eine Umfrage von mergermarket im Frühjahr 2008 führte zu dem Ergebnis, dass 87% der befragt Führungskräfte europäischer Unternehmen virtuelle Datenräume bei der Durchführung einer M&A-Transaktion in Betracht ziehen würden. Angesichts dieser Aufgeschlossenheit und der vorhandenen Vorzüge dürften virtuelle Datenräume ihren Siegeszug fortsetzen und zunehmend auch im Rahmen kleinerer M&A-Transaktionen zum Einsatz kommen.
andreas.uhde@vc-magazin.de
Venture Capital Magazin 10/2008
Seite 40